Eine Autorin virtualisiert sich

Schreiben-Social-Media

Und das mir:

  • Die ich mit analogen Briefen aufgewachsen bin und noch echte Tintenkleckse kenne.
  • Die beim Telefonieren noch im wahrsten Sinne des Wortes an der Strippe hing.
  • Die meist nur die Bücher kaufen konnte, die in der Buchhandlung im Nachbarort angeboten wurden.

Aber nicht, dass ihr das jetzt falsch versteht. Wir waren schon auch mit anderen in einer Community verbunden. Nur hieß sie „Clique, die sich am Samstagabend in der Dorfdisco trifft“. Die Gespräche bestanden auch bei uns aus dem, was man heute als kurze Statusmeldungen bezeichnen würde – oder hatten vielleicht die Länge einer Twitter-Nachricht. Das lag daran, dass es für lange Sätze zu laut war und wir sowieso zu sehr damit beschäftigt waren, mit unseren Armen und Beinen wild in der Gegend herum zu fuchteln. Das waren sie eben, die 80er, und …

Wie haben wir sie bloß ohne soziale Netzwerke überstanden?

Als erste Antwort kam mir sofort in den Sinn, dass wir uns vermutlich über die Leute mokiert haben, die uns kopfschüttelnd mit einer leichten Spur von Sarkasmus in der Stimme gefragt haben: „Wie haben wir unsere Jugend bloß ohne Fernseher oder Telefon überstanden?“ So hat halt jede Generation seine eigenen Neuerungen. Ich frage mich gerade, wie diese Frage, die von einer Generation an die nächste weiter gegeben wird, an die Jugend der Zukunft lauten wird. Da ich keine Fantasy-Autorin bin, fallen mir gerade keine Antworten darauf ein. Vielleicht kommen sie noch. Vielleicht habt ihr ja Ideen.

Aber ich schweife ab. Das mag daran liegen, dass ich mich nun auch auf eine kleine virtuelle Reise durch einige sozialen Netzwerke begeben habe. Auf dieser Website und Schreibkunst-Kreativ, Facebook und Google+ bin ich schon länger – heißt das „on“? Inzwischen schaue ich mich auch ein wenig auf Twitter und Pinterest um. Wer mag, kann da gerne auch einmal vorbei schauen. Und falls ich mich verirrt habe, mir den Weg weisen. (Für diesen Fall – Danke!)

Aber Vorsicht: Ich komme, wie erwähnt, aus der Generation der Strippentelefonierer und Tintenkleckser. Das heißt, mein technisches Verständnis bewegt sich irgendwo zwischen dem Programmieren des Videorekorders und der Bedienung meines Smartphones. (Oh Gott! Habe ich wirklich Videorekorder geschrieben? Ich meinte natürlich DVD-Player! Quatsch: Online-Streamingdienst, ich meinte Online-Streamingdienst!)

Bestimmt wundert ihr euch jetzt, wie ich das mit dem Selbstverlag geschafft habe, bei dem doch Vieles online stattfindet. Das war gar nicht so schwer und hat mich, neben der grandiosen Kurzgeschichtensammlung „Love me Tinder“ von Anne Bax, dazu gebracht, mich noch mehr mit der virtuellen Welt auseinander zu setzen.

Wenn es schon ganze Bücher zu diesem Thema gibt, war mein Gedanke, muss doch etwas daran sein – oder?

Natürlich bleibe ich auch real.

Deshalb gibt es „Wenn die Physik stimmt“ nun auch in gedruckter Form.

Das stimmt Mirjam Hoff und mich aus zwei Gründen sehr froh:

  1. Es ist einfach ein besonderes Gefühl, sein Werk spürbar in Händen zu halten.
  2. Wir sind nicht darauf angewiesen, dass der Buchhändler vom Nachbarort noch etwas Platz in seinen Regalen hat. (Wobei sich unser Buch sicherlich gut machen würde, zwischen all den vermeintlichen Bestsellern.)

Jedenfalls sind wir sehr stolz auf unsere Sammlung an Kurzgeschichten. Ich will dazu mal etwas pathetisch werden – stellt euch dazu bitte die passende Pose vor:

Erfolg

So müssen sich Fotografen fühlen, die sich lange mit einem Bildband zu einem bestimmten Thema beschäftigt haben. Immer auf der Suche nach dem richtigen Motiv. Stundenlanges Ausharren, bis jedes kleine Detail passt.

Denselben Stolz müssen Musiker empfinden, die ein ganzes Album mit Liedern gefüllt haben, die ihnen am Herzen liegen. Kein Ruhen, bis Worte und Melodie perfekt aufeinander abgestimmt waren.

 

Hach. Klingt das nicht schön. Und ihr könnt es nur lesen, weil ich mich virtualisiert habe.

In diesem Sinne, wir lesen uns weiter.

Eure Rike